DVL Jahrestagung 2003: im Mittelpunkt Tschechien  
 
 

10.-12. Oktober 2003

Exkursionsführung:
Eckhard Beuchel
Christian Meyer

Reisebericht und Fotos:
Hannah Schreckenbach

 

 

Verbreitungsgebiete der Umgebindebauten
[Skizze: Exkursionsführer]

 
Nordböhmisches Bauernhaus, Zubrinice
 
Umgebindehaus mit Laubengang, Chlum
 

Als Teil der diesjährigen Jahresversammlung des Dachverbandes e.V. wurde eine Exkursion zu den tschechischen Umgebindehäusern in Nordböhmen angeboten, die von Eckhard Beuchel, Vorstandsmitglied des DVL gemeinsam mit Christian Meyer aus Limbach-Oberfrohna organisiert und sachkundig geführt wurde.

Das Daubaer Land liegt etwa 60 km nördlich von Prag und gilt als eines der Kerngebiete des Umgebinde Haustyps. Ursprünglich war die Umgebindebauweise auch in Thüringen, Franken und Sachsen verbreitet. Vor allem in der Lausitz finden wir bei uns heute noch vermehrt diesen ländlichen Haustyp. Beim „Umgebinde“ Haus ist Holz das tragende und konstruktive Element. Der Lehm ist ausfüllendes Material zwischen den Holzbalken.
 

Sanierung eines
Umgebindehauses, Chlum.
 
Eckdetail, Žd'ár
 
Ansicht von Innen, Kravare
 











Konstruktives Gefüge
des Umgebindes
[Skizzen: Exkursionsführer]

 

Im Daubaer Land in Tschechien hat sich über Jahrhunderte hinweg ein ausgereifter Haustyp entwickelt, der eine einzigartige und geschlossene Hauslandschaft des 18. und 19 Jahrhunderts darstellt. Es haben sich hier, auch grenzübergreifend, Sonderformen zwischen dem Fachwerkbau und der Blockbauweise herausgebildet. Für die Exkursion wurden die schönsten Beispiele ausgesucht.

In sehr beeindruckender Weise haben wir an den zwei Exkursionstagen durch das Daubaer Land die verschiedenen Konstruktions- und Entwicklungszweige im historischen Hausbau auf engem Raum erlebt. Und dabei ebenfalls einen unvergesslichen Eindruck erhalten von den historischen und unverbrauchten Landschafts- und Siedlungsformen in diesem Gebiet. Die uns überall entgegengebrachte Freundlichkeit der Dorfbewohner trug bei vielen von uns zum Wunsch bei, zu einem weiteren Besuch hierher zurückzukehren.

Wir begannen unsere Fahrt am 11.10. mit Bus und Privat Pkws im Konvoi aus Prag heraus bei kaltem Wetter, aber herrlichem Sonnenschein in Richtung Vidim, dem ersten Stop. Der Busfahrer durchfuhr in Prag sehr großzügig einige schon auf „rosa“ geschaltete Ampeln. Das trieb (zumindest bei mir, bis wir aus Prag raus waren) einige Schweißperlen auf meine Stirn. Es wird eben hier zu Lande alles ein wenig lockerer gehandhabt als bei uns, hatte ich schnell den Eindruck ...

In Vidim haben wir die Privatautos abgestellt und unser Mittagessen eingenommen. Danach fuhren wir dann alle gemeinsam im Bus weiter, zunächst nach Dolny Vidim in der Nähe von Vidim. Dort sahen wir eine Anzahl sehr schöner Hausbeispiele - arrangiert als Ensemble in typischen Baugruppen, jeweils bestehend aus einem großen Wohnstallhaus und dem gegenüberliegenden Speichergebäude. Wir haben hier auch viele weitere Umgebindehäuser bewundert. Die Häuser strahlen dadurch, dass sie bewohnt und gepflegt sind, eine ihnen ganz eigene Wärme aus. Keines sah aus wie ein gerade auf Hochglanz poliertes, saniertes Museum, obwohl viele Häuser sehr liebevoll restauriert worden waren. Das fiel uns übrigens in allen besuchten Orten auf.
 

 
Fassadenansicht, Žd'ár
 
Fassadenansicht, Žd'ár
 

Der Höhepunkt des Tages war der Besuch in Žd'ár. Hier war ein richtiges Dorfensemble aus Blockbohlenhäusern mit Lehmausfüllung zu bewundern. Eine (noch) heile Welt, Dorfplatz mit hohen Bäumen in goldener Herbstfärbung, Kapelle und Ziehbrunnen mit eingeschlossen. Žd'ár ist wohl einer der noch am vollständigsten erhaltenen Orte mit einer historischen Hauslandschaft. Die Bauerngehöfte mit den Wohnstallhäusern und Speichern werden noch ergänzt durch Scheunen und herrliche Hofeinfahrten. Eine Klamm erschließt den tiefer gelegenen Ortsteil mit weiteren Bauerngehöften und kleineren Siedlerhäusern.

Nosálov war unsere letzte Station. Das Tageslicht ließ schon nach, dennoch konnten wir den schönen Ort mit seinen engen, nebeneinander gelegenen Dreiseithöfen bewundern. Auch hier lud man uns wieder freundlich ein durch das große Eingangstor „herein zu kommen“, um uns umsehen zu können. Das Dorf hat herrliche große Bäume, deren goldenes Herbstlaub das wunderschöne Bild vollendeten.
 


Nosálov
 

Wir holten dann unsere Autos aus Vidim ab und fuhren nach Staré Splavy, wo wir im Hotel Bezdéz am Machov See übernachteten. Bei viel gutem tschechischen Bier vom Fass und Gesprächen ging der erste ereignisreiche Exkursionstag zu Ende.

In der Nacht hatte es geregnet. Der nächste Morgen war bitterkalt. Aber die Sonne schien und erwärmte die Natur und uns recht bald für die Fortsetzung unserer Tour in gemeinsamer Autokolonne ohne Bus. Mit dem ersten Ziel der Besichtigung einiger schöner Häuser mit Oberlauben im alten Ortsteil von Staré Splavy.

Danach fuhren wir nach Chlum. Hier schmiegt sich der dörflich geprägte Ortsteil an die barocke Kirche zum heiligen Georg. Wir sahen einige wunderschöne Häuser und Gehöfte mit vielen Schmuckdetails.
 

Typisches Umgebindehaus
mit Schleppdach, Staré Splavy.
 
Aufeinandertreffen von massivem
Erdgeschoss und Umgebinde,
Kravare
 
Blockbohlenhaus mit
Laubengang, Zubrinice
 

In Zahrádky konnten wir von außen die Ruine des Schlosses sehen, das Anfang des Jahres einer Brandkatastrophe zum Opfer gefallen war. Eigentlich sollte hier ja die Jahresversammlung stattgefunden haben. Unseren tschechischen Freunden ist es zu verdanken, dass wir kurzfristig bei der Planung auf Prag ausweichen konnten. Aber im Dorf Zahrádky haben wir dann noch einige sehr schöne Beispiel ländlicher und städtischer historischer Holzhäuser gesehen. Dann ging es durch eine traumhaft schöne Herbstlandschaft weiter nach Kravare. Dort war das Museum unser Ziel.

Das Museum in Kravare wurde 1797 erbaut und 1970 saniert. Es war das Haus des Erbrichters. Viele Beispiele böhmischer Volkskunst und Baukultur aus der Zeit von Maria Theresia können hier bewundert werden. In der Scheune sind alte Geräte und Bestandteile des Hopfenanbaus in der Gegend ausgestellt.

Unsere letzte Station war Zubrinice. Dieser Ort liegt in den Bergen des böhmischen Mittelgebirges. Wir besuchten dort ein Anwesen aus dem 19. Jahrhundert, das mit einem Speicher aus dem 18. Jahrhundert, Ziehbrunnen, Dorfladen und einer Schule aus dem Jahr 1826 zu einem Freilandmuseum gestaltet wurde. Der Dorfplatz mit Brunnen und großen Bäumen lädt zum Verweilen ein. Die Museumsgebäude werden öffentlich genutzt von der Gemeinde.

Wir sind dann alle noch irgendwie in einem proppevollen kleinen Restaurant im Ort bestens mit Mittagessen versorgt worden. Auf der Rückfahrt nach Deutschland am sonnigen Nachmittag über Decín und durchs Elbetal nach Bad Schandau bis Dresden und Weimar klangen die unvergesslichen Erlebnisse noch lange nach.
 

 
Nordböhmisches Bauernhaus, Vidim
 
Dorfensemble mit Blockbohlenhäusern, Žd'ár
 
 

Programm

 
Samstag 11.10.03  
14:00 Fahrt im Reisebus ins Daubaer Land: Reise mit Informationen zu Beispielen der außergewöhnlich gut erhaltenen und interessanten regionalen Lehmbaudenkmal- und Altbausubstanz. Stationen in Vidim, Žd'ar, Nosálov und Okna. Ankunft Abends in Hotel Bezdez in Staré Splavy. Christian Meyer / Eckhard Beuchel
Achtung: ab Vidim keine Nachfolge des Busses im privat-Pkw möglich! Rückfahrt zum Pkw wird geregelt.
Abend Abendessen mit regionalen Spezialitäten und Tschechischem Bier im Hotel Bezdesz in Staré Splavy. Übernachtungsbuchung zentral durch DVL - siehe Anmeldekarte.
   
Sonntag 12.10.03 Möglichkeit zur kostenfreien Teilnahme an einer weiteren Exkursion durch das Daubaer Land in Richtung Deutsche Grenze mit eigenen PKW.
09:00 Abfahrt in Staré Splavy. Fahrt im Reisebus durch das Daubaer Land. Stationen in Chlum, Zahrádky, und Kravare.
14:00   
Ende der Exkursion am Bahnhof Decín, Zug nach Dresden 14:52 Uhr.
   

Durchführung

 

Dachverband Lehm e.V.
Bildungsinstitut Pscherer gGmbH, Lengenfeld
 

Literatur

  Exkursionsführer – Häuser aus Holz, Lehm und Stein
von Eckhard Beuchel, Blankenhain, und Christian Meyer, Limbach-Oberfrohna,
in Zusammenarbeit mit dem Bildungsinstitut Pscherer gGmbH, Lengenfeld
für die Jahrestagung 2003 des Dachverbandes Lehm e.V.